Erweiterung und Neukonzeption der Dokumentation Obersalzberg

Die Planungen, die der Dauerausstellung und dem Ausstellungsgebäude zugrunde liegen, gingen von etwa 30-40.000 Besuchern im Jahr aus. Mit dem stetigen Anstieg der Besucherzahlen nahmen die Platzprobleme in der Dokumentation erheblich zu. Dieses unzureichende Raumangebot führte zu teilweise unzumutbaren Besichtigungs- und Arbeitsverhältnissen. Eine räumliche Erweiterung der Dokumentation Obersalzberg ist daher dringend erforderlich.

Nachdem aufgrund der gravierenden Platzprobleme in der ersten Planungsphase über mehrere, nacheinander durchzuführende kleinere Baumaßnahmen nachgedacht worden war, hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass nur ein Erweiterungsbau, die so genannte „erweiterte große Lösung“ ausreichend räumliche Möglichkeiten bietet, um dem enormen Besucheransturm und den Aufgaben der Dokumentation als internationaler Lern- und Erinnerungsort gerecht werden zu können.  Am 8. Dezember 2011 sprach sich auch der Hochschulausschuss des Bayerischen Landtags  einstimmig für eine Aufwertung der Dokumentation Obersalzberg aus.

Bauliche Erweiterung

Auf Grundlage eines ersten Raumbedarfsplanes und eines 2011 erstellten externen Gutachtens der Firma haas:consult begann das Staatliche Bauamt Traunstein mit ersten Voruntersuchungen. Auf dieser Basis errechnete es die Baukosten für den Erweiterungsbau und stellte einen Antrag zur Änderung des Bebauungsplans, dem der Marktgemeinderat Berchtesgaden Anfang Mai 2012 zustimmte. In mehreren Verhandlungen und konstruktiven Gesprächen haben das Institut für Zeitgeschichte, die Berchtesgadener Landesstiftung, das Bayerische Staatsministerium der Finanzen und der Zweckverband Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee über die konkrete Ausgestaltung und über Finanzierungsmöglichkeiten des Erweiterungsbaus beraten und in enger Abstimmung mit dem Staatlichen Bauamt Traunstein 2012 einen detaillierten Raumbedarfsplan für den Erweiterungsbau erstellt.

Inhaltliche Erneuerung

Die räumliche Erweiterung erfordert eine grundlegende Überarbeitung der Dauerausstellung. Seit der Fertigstellung der Erstkonzeption 1999 haben sich sowohl die internationale Forschung zum NS-Regime als auch die museumsdidaktischen Standards überaus dynamisch entwickelt. Die künftige Ausstellung wird an dieser Entwicklung gemessen werden.

Dabei kann bei der Überarbeitung der Dauerausstellung einerseits auf dem Bestehenden aufgebaut und die Substanz der jetzigen Ausstellung im Kern beibehalten werden. Andererseits sind spezifische Neuakzentuierungen und Überarbeitungen, die den fachwissenschaftlichen und museumsdidaktischen Fortschritten der letzten beiden Jahrzehnte Rechnung tragen, eine selbstverständliche Herausforderung, aber auch Chance für den Ausstellungsort Obersalzberg. Das IfZ hat im Spätsommer 2012  ein Konzeptpapier hierfür vorgelegt. Darin enthalten sind ebenfalls erste Vorschläge für einen künftigen Umgang mit dem Berghofgelände, das künftig ein integraler Bestandteil der Dokumentation Obersalzberg sein wird. Dies war bereits bei der Tagung „Täterorte“ im Jahr 2011 von sämtlichen Experten dringend empfohlen worden.

Wissenschaftlicher Beirat

Für die Überarbeitung der Dauerausstellung wurde ein Wissenschaftlicher Beirat eingerichtet, der die Planungen für den Erweiterungsbau und deren Umsetzung begleiten wird. Dem Beirat gehören führende Experten aus den Bereichen der Zeitgeschichtsforschung, der Museums- und Gedenkstättenarbeit sowie der Didaktik/Museologie an:

  • Dr. Gabriele Hammermann, Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau
  • Prof. Dr. Hans Walter Hütter, Präsident der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
  • Prof. Dr. Alfons Kenkmann, Lehrstuhl für Didaktik der Geschichte, Historisches Seminar der Universität Leipzig
  • Prof. Dr. Volkhard Knigge, Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora
  • Prof. Dr. Alexander Koch, Präsident der Stiftung Deutsches Historisches Museum Berlin
  • Prof. Dr. Wolfram Pyta, Leiter der Abteilung Neuere Geschichte, Historisches Seminar der Universität Stuttgart
  • Prof. Dr. Joachim Scholtyseck, Leiter der Abteilung für Geschichte der Neuzeit, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des IfZ.


Der Beirat trat am 24. Juli 2012  zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Dabei äußerten sich sämtliche Beiratsmitglieder ausgesprochen positiv über das vom IfZ vorgelegte Grundsatzpapier und die darin enthaltenen Vorschläge zur Um- und Neugestaltung der Ausstellung.

Für die Gestaltung der neuen Ausstellung wurde ebenfalls in einem Wettbewerb das Gestaltungsbüro ramićsoenario aus Berlin gewonnen. Mit ihm zusammen konkretisiert das Institut für Zeitgeschichte seither die Konzeption für die neue Dauerausstellung der Dokumentation Obersalzberg.

Entscheidung für eine Erweiterung der Dokumentation Obersalzberg

Um die Realisierung des Erweiterungsbaus gewährleisten zu können, hat das IfZ mit seinen Kooperationspartnern einen Kostenantrag zur Finanzierung ausgearbeitet. Neben den reinen Baukosten für den Erweiterungsbau sind darin auch die Sachkosten für die Dauerausstellung sowie Kosten für den personellen Mehrbedarf für die Überarbeitung der Dauerausstellung enthalten. Der Antrag wurde im August 2012 dem Bayerischen Staatsministerium der Finanzen vorgelegt.

Da es sich bei der Dokumentation Obersalzberg um eine gesamtstaatliche Aufgabe und einen Lern- und Erinnerungsort von bundesweiter, ja sogar internationaler Bedeutung handelt, wurde beim Bundesbeauftragten für Kultur und Medien ein Antrag auf Förderung durch den Bund gestellt. Der Bund befürwortete das Projekt grundsätzlich, lehnte eine finanzielle Beteiligung jedoch ab. Am 10. Juni 2013 hat die Bayerische Staatsregierung mit einer Investitionszusage von 17 Millionen Euro den Weg für die Finanzierung frei gemacht. Damit kann die Dokumentation nun ihre massiven Raumprobleme lösen und wird als internationaler Lern- und Erinnerungsort weiter gestärkt.

Erweiterungsbau

Am 18. September 2014 erschied sich das Preisgericht für das Modell des Architekturbüros Aicher Ziviltechniker GmbH aus Dornbirn (Österreich) + Planstatt Senner aus Überlingen.

Am Wettbewerb für den Erweiterungsbau haben sich insgesamt 90 Architekturbüros beteiligt. Einstimmig entschied sich das Preisgericht für das Siegermodell aus Dornbirn und Überlingen: Der Entwurf verbindet das Einfügen in die Landschaft vor Ort mit Funktionalität, Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und energiesparendem Bauen, waren sich die Preisrichter einig. Ein Baubeginn komme vorbehaltlich einer positiven Entscheidung des Haushaltsausschusses des Bayerischen Landtags noch in der ersten Hälfte des Jahres 2016 in Betracht, sagte Finanz-Staatssekretär Johannes Hintersberger bei der Präsentation des Siegermodells. Gemeinsam mit Prof. Dr. Andreas Wirsching, Direktor des für die fachliche Leitung und Betreuung der Dokumentation verantwortlichen Instituts für Zeitgeschichte, Landrat Georg Grabner, dem Architekten Josef Peter Meier-Scupin, dem Vorsitzenden des Preisgerichts und Doris Lackerbauer vom Staatlichen Bauamt Traunstein stellte der Staatssekretär am 18. September 2014 die Entscheidung auf einer Pressekonferenz vor.

Ausstellung zum Wettbewerb

Die Öffentlichkeit kann die  eingereichten Wettbewerbsarbeiten für die bauliche Erweiterung der Dokumentation im Rahmen einer Ausstellung besichtigen.

 

Termine:

19. September bis 5. Oktober 2014: Haus der Berge, Hanielstraße 7, 83471 Berchtesgaden

8. Oktober bis 31. Oktober 2014: Institut für Zeitgeschichte, Leonrodstr. 46b, 80636 München
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9.00 bis 17.00 Uhr, geschlossen am 23./24. Oktober

Der Entwurf des Architekturbüros Aicher Ziviltechniker GmbH aus Dornbirn (Österreich) + Planstatt Senner aus Überlingen:



Der Haushaltsausschuss des Bayerischen Landtags hat am 13. Juli 2016 grünes Licht für den Erweiterungsbau der Dokumentation Obersalzberg gegeben. Für die Umsetzung des Siegerentwurfs und die Umbaumaßnahmen am bestehenden Dokumentations-Gebäude in ein Seminar- und Bildungszentrum werden Gesamtkosten in Höhe von 21,3 Millionen Euro veranschlagt. Damit kann die Dokumentation nun ihre massiven Raumprobleme lösen und konzeptionell umfassend modernisiert werden. „Die Dokumentation ist ein Besuchermagnet und die Fläche reicht für die anhaltend hohen Besucherzahlen seit langem nicht mehr aus“, sagte Axel Drecoll , Leiter der Abteilung Obersalzberg am Institut für Zeitgeschichte, das die Dokumentation wissenschaftlich und museumsfachlich betreut. „Wir freuen uns sehr, dass der Abgeordneten nun den Weg frei gemacht haben, die Dokumentation und ihren Bildungsauftrag weiter zu stärken.“ 

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Die Dokumentation Obersalzberg sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine Studentische Hilfskraft (w/m/d).

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Zum Internationalen Museumstag am Sonntag, 16. Mai bietet die Dokumentation Obersalzberg dieses Jahr wieder ein digitales Programm. Weitere Infos finden Sie hier.

Wir freuen uns über das große Interesse und die zahlreichen positiven Rückmeldungen zu unserem ersten Obersalzberger Gespräch Online "Bühne Obersalzberg" mit Andreas Stelzl. Das aufgezeichnete Gespräch steht zum Nachsehen auf unserem YouTube Kanal zur Verfügung. Weitere Infos und Fotos finden Sie hier.

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