Das Reichssicherheitshauptamt (RSHA)

Das RSHA wurde am 27. September 1939 gebildet, wenige Wochen nach Beginn des Polenfeldzugs. Es war anfänglich keine neue Behörde, sondern eine organisatorische Zusammenfassung der Reichszentralämter von staatlicher Sicherheitspolizei und SD, der Geheimdienst der NSDAP blieb.

Innerhalb des RSHA blieben die einzelnen Ämter erhalten. So war Amt IV ›Gegnerforschung und -Bekämpfung‹ mit dem ›Geheimen Staatspolizeiamt‹ und Amt V ›Verbrechensbekämpfung‹ mit dem ›Reichskriminalpolizeiamt‹ identisch. Alle Ämter wurden aber ausgebaut und neu strukturiert, so dass eine neuartige Institution entstand.

Das RSHA verstand sich als »kämpfende Verwaltung«, die an keine Normen gebunden war. Prägend wurden dafür die Massenerschießungen von Zivilisten im Polenfeldzug. Sein Führungskorps, überwiegend Akademiker, bildete eine verschworene Gemeinschaft von Überzeugungstätern, die zu unbedingtem Handeln entschlossen, zur Überschreitung aller Grenzen bereit waren.

Das RSHA agierte nur im internen Dienstverkehr und gegenüber den nachgeordneten Dienststellen als RSHA. Nach außen trat es – mit Ausnahme der beiden Polizeiämter – immer unter der Bezeichnung ›Der Chef der Sicherheitspolizei und des SD‹ auf. Hiervon abweichend, verwendeten Gestapo und Kripo in genau geregelten Fällen – vor allem in exekutivpolizeilichen Angelegenheiten – die eingeführten Amtsbezeichnungen weiter.