Fundstücke vom Obersalzberg

Die neue Dauerausstellung wächst: Dokumentation sucht weitere private Erinnerungsstücke, die die Geschichte des Berges erzählen können

(Pressemitteilung der Dokumentation Obersalzberg)

Wer hat auf seinem Speicher noch alte Fotos oder Fundstücke aus der Zeit des Natio-nalsozialismus? Die Ausstellungsmacher vom Institut für Zeitgeschichte, die derzeit an der Neukonzeption der Dokumentation Obersalzberg feilen, haben bereits viele in-teressante Objekte aufgespürt, die als Exponate in die neue Ausstellung einfließen können. Die Kuratoren der Dokumentation sind überzeugt, dass noch mehr spannen-de Fundstücke in den Kellern und Dachböden schlummern könnten und freuen sich deshalb auch weiterhin über tatkräftige Mithilfe aus der Bevölkerung.

Seit 1999 beleuchtet die Dokumentation Obersalzberg bei Berchtesgaden in einer Dauerausstellung die Geschichte von Hitlers zweitem Regierungssitz und verbindet dabei die Ortsge-schichte des Obersalzbergs und mit den Schrecken der nationalsozialistischen Diktatur. Mit diesem Konzept hat sich die Dokumentation Obersalzberg zu einem Publikumsmagneten mit internationaler Ausstrahlung entwickelt: Rund 170.000 Besucherinnen und Besucher zählt die Ausstellung mittlerweile pro Jahr  - und der Zuspruch hält unverändert an: So waren der Juni und April 2017 mit 23.913 bzw. 12.217 Gästen die jeweils besucherstärksten Monate seit der Eröffnung. Ein Erweiterungsbau und eine grundlegend neu gestaltete Dauerausstellung sollen diese Erfolgsgeschichte in den kommenden Jahren fortschreiben.

Noch stärker als bisher werden dabei der Obersalzberg und die ganze Region Berchtesgaden die inhaltlichen Fäden der Ausstellung als Knotenpunkte miteinander verknüpfen. Um ein um-fassendes Bild zeichnen zu können, legen die Kuratorinnen und Kuratoren besonderen Wert auf Exponate, die die wechselvolle Vergangenheit des Berges zum Sprechen bringen können.

Die Ausstellungsmacher interessieren sich für Fotos, private Dokumente und Gegenstände, die eine Geschichte erzählen und die die nationalsozialistische Herrschaft veranschaulichen. Gesucht sind daher nicht nur Fundstücke vom und zum Obersalzberg, sondern auch Fotoal-ben, private Dokumente wie Tagebücher, Postkarten und Feldpostbriefe sowie Objekte aller Art. Dabei muss es sich nicht um Außergewöhnliches handeln: Auch anhand scheinbar trivia-ler Alltagsgegenstände kann das Erleben und die Erfahrungswelt der Menschen in der NS-Zeit erklärt und anschaulich gemacht werden: Die des Berchtesgadeners und der Salzburge-rin, die des Gebirgsjägers an der Front, aber auch die der Verfolgten des Regimes. Wün-schenswert, aber keine Voraussetzung ist eine Verbindung zur erweiterten Region um Berchtesgaden und Salzburg.

Gesucht wird darüber hinaus nach Erinnerungsstücken und Geschichten aus der Zeit vor 1933, als Hitler den Obersalzberg als Feriendomizil entdeckte und nach 1945, die die Kontak-te zwischen US-Soldaten, und Einheimischen belegen, und die zeigen, wie sich der Umgang mit dem Erbe der Vergangenheit im Laufe der Jahrzehnte verändert hat.

Die wenigsten dieser Erinnerungen aus Familienbesitz dürften bisher ihren Weg in die Archive und Museen gemacht haben. Und je mehr Geschichte(n) die Schenker oder Leihgeber den Historikerinnen und Historikern vom Institut für Zeitgeschichte zu den Objekten erzählen können, desto mehr kann die Ausstellung davon an die Besucher und Besucherinnen weitergeben.

Drei Beispiele von Schenkern bzw. Leihgebern aus der Region verdeutlichen, welche span-nenden Objekte sich bisher im Fundus der Dokumentation angesammelt haben:

Franz Stangassinger: Fotoalbum

Die Familie Stangassinger hatte einen Hof auf dem Obersalzberg, der zwangsverkauft wer-den musste. Die Mutter von Herrn Stangassinger, Frau Johanna Stangassinger, ist auch als Zeitzeugin auf der DVD „Obersalzberg. Vom Bergbauernhof zum Führersperrgebiet. Zeitzeugen berichten“ zu sehen. Herr Stangassinger hat der Dokumentation Fotos aus dem Fami-lienalbum zur Verfügung gestellt.

Dominik Baumüller: Schulheft

Herrn Baumüllers Mutter, Eleonore Seitz, war die Tochter des Kindersanatoriumsbesitzers Dr. Richard Seitz am Obersalzberg. Die Kinder der Familie Seitz wurden von 1931-1936 von einer Hauslehrerin, Irene von Ploennies, unterrichtet, deren Mutter Jüdin war. Mit dieser Lehrerin hat Eleonore Seitz den Bau den Göring Hauses verfolgt und in einem Schulheft dokumentiert.

Georg Renoth: Kindergasbettchen
Herr Renoth aus Berchtesgaden fand das Kindergasbettchen auf seinem Dachboden, zusammen mit drei weiteren Gasbettchen, welche sich noch in der Originalverpackung befanden. Die Bettchen waren für Herrn Renoths Vater und seine drei Geschwister im Falle eines Giftgasangriffes gedacht.

Wer derartige Fundstücke besitzt und zur neuen Ausstellung beisteuern will, den bittet das Ausstellungsteam vom Institut für Zeitgeschichte um Kontaktaufnahme unter:

Telefon 089/126 88-253
sammlungobersalzberg[at]ifz-muenchen.de

Wer möchte, kann die Objekte persönlich von den Historikerinnen und Historikern begutachten lassen und auch die damit verbundenen Geschichten und Erinnerungen zu Protokoll geben. Alle Leihgeber erhalten selbstverständlich freien Eintritt in die neue Dauerausstellung.

Für weitere Presseauskünfte:
Simone Paulmichl
Institut für Zeitgeschichte
Telefon 089/126 88 150
presse[at]obersalzberg.de


Die Pressemitteilung als PDF zum downloaden finden Sie hier.

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