Sozialdemokratischer Widerstand
Die Sozialdemokratie zerfiel 1933 in 4 große Gruppen:
Viele Parteimitglieder resignierten und zogen sich aus der aktiven Politik ins Privatleben zurück. Dabei bewahrten sie in großer Zahl ihre politische Weltanschauung und konnten vielfach innerhalb der Schutzräume des sozialdemokratischen Milieus in Arbeitervierteln und -siedlungen, im Vereins-, Nachbarschafts- und Arbeitsleben lockere Verbindungen zu ehemaligen Parteigenossen aufrechterhalten.
Eine weitere Gruppe bildeten ehemals hauptamtliche Partei-, Gewerkschafts- und Genossenschaftsfunktionäre, die untereinander, z.T. auch in überregionalem Maßstab, auf privater Ebene Kontaktnetze aufrechterhielten, die im Bedarfsfall rasch aktiviert werden konnten.
Eine dritte, zunächst starke Gruppe bestand aus den sozialistischen Illegalen im engeren Sinn, den eigentlichen Trägern der sozialistischen Untergrundarbeit in den Jahren nach 1933.
Die vierte Gruppe schließlich bildeten die emigrierten Partei- und Gewerkschaftsfunktionäre, die in benachbarten Staaten Auslandsleitungen, Grenzstellen und sonstige Unterstützungsorgane für die Illegalen im Reich aufbauten.
Aufgrund der eher defensiven Vorgehensweise der sozialdemokratischen Widerstandskreise kam die Gestapo diesen zunächst sehr viel langsamer auf die Spur als den Organisationen des kommunistischen Untergrunds. Trotzdem überlebte kaum eine dieser Widerstandsgruppen das Jahr 1935. Sie fielen nahezu ausnahmslos der engmaschiger gewordenen Überwachung durch die Gestapo zum Opfer, und ihre Mitglieder wurden bis 1937 vom Volksgerichtshof und den für Hochverrat zuständigen Oberlandesgerichten abgeurteilt, z.T. in Mammutprozessen mit Dutzenden und Hunderten von Angeklagten.


