Opposition der Kirchen

Konrad Adenauer über die Bischöfe im Dritten Reich:

"Ich glaube, daß, wenn die Bischöfe alle miteinander an einem bestimmten Tage öffentlich von den Kanzeln aus dagegen Stellung genommen hätten, sie vieles hätten verhüten können. Das ist nicht geschehen und dafür gibt es keine Entschuldigung. Wenn die Bischöfe dadurch ins Gefängnis oder in Konzentrationslager gekommen wären, so wäre das kein Schade, im Gegenteil. Alles das ist nicht geschehen und darum schweigt man am besten."


Konrad Adenauer an Pastor Bernhard Custodis (Bonn), 23. Februar 1946.
Konrad Adenauer: Briefe 1945-1947 (1983)
 

 

 

Im Zuge der "Machtergreifung" hofierte Hitler die Kirchen. Die katholischen Bischöfe nahmen ihre früheren Erklärungen zurück, daß Nationalsozialismus und kirchliche Lehre unvereinbar seien, der Vatikan schloß ein Konkordat mit der neuen Regierung, das der Kirche Sicherung ihres Bestandes versprach. In der Tradition von "Thron und Altar" stand der deutsche Protestantismus dem "nationalen Aufbruch" weithin mit Sympathie gegenüber. Bald gingen die Nationalsozialisten jedoch zu einer Politik der Verdrängung des Christentums aus dem öffentlichen Leben über. Dagegen wandten sich die katholische und eine Minderheit der evangelischen Kirche, die sogenannte "Bekennende Kirche".

Zwischen dieser und dem NS-freundlichen Mehrheitsprotestantentum kam es zu Auseinandersetzungen, die zum sogenannten Kirchenkampf eskalierten.

Die dem christlichen Menschenbild widersprechende Rassenideologie wurde mehrfach kirchenamtlich verurteilt. Öffentlicher Protest gegen konkrete rassenpolitische Maßnahmen blieb jedoch auf Zwangssterilisierung und "Euthanasie" begrenzt. Gegen die zunehmende Entrechtung der jüdischen Bürger erhoben die Kirchen keinen öffentlichen Widerspruch - nur einzelne Geistliche protestierten von der Kanzel.

Schon vor dem Novemberpogrom 1938 richteten beide Kirchen Hilfsstellen ein, die vielen jüdischen Christen, aber auch Juden mosaischen Glaubens, beistanden und manchmal Rettung brachten. Geistliche beider Konfessionen waren an der Verschwörung des 20. Juli 1944 beteiligt. Neben der Hilfeleistung für Bedrohte und Verfolgte bestand das Verdienst der Kirchen im Krieg vor allem in der Schaffung von Freiräumen für regimekritisches Bewußtsein.