Entwicklung der Dokumentation Obersalzberg
Die Dokumentation Obersalzberg hat sich seit ihrer Eröffnung zu einem Besuchermagnet des Berchtesgadener Lands entwickelt. Lag die Planungsannahme ursprünglich bei 30.000 bis 40.000 Besuchern im Jahr, so stiegen die Besucherzahlen von 100.000 im ersten vollen Betriebsjahr (2000) auf 176.619 (2007) an. Am 19. Juli 2010 konnte der 1,5 Millionste Besucher begrüßt werden. Mittelfristig kann pro Jahr mit 150.000 bis 160.000 Besuchern gerechnet werden. Insbesondere hat sich die Dokumentation zu einer vielfach genutzten Stütze der historisch-politischen Bildung an Schulen, bei Bundeswehr und Polizei und anderen Institutionen mit entsprechendem Bildungsanliegen entwickelt. Aus diesem Grund hat 2007 der Bayerische Staatsminister für Unterricht und Kultus in einem Rundschreiben an alle bayerischen Schulen den Besuch der Dokumentation Obersalzberg "mit Nachdruck" empfohlen. Bereits im September 2000 hatte der Generalsekretär der Ständigen Konferenz der Kultusminister in der Bundesrepublik Deutschland allen Schulen in Deutschland einen Besuch in der Dokumentation Obersalzberg sowie den Begleitband "Die tödliche Utopie" als Schullektüre empfohlen. Der Anteil von Schülern, Studenten und Soldaten stieg kontinuierlich von anfänglich 10 % auf jetzt 25 % der Besucher, das sind rund 500 Schulklassen bzw. Gruppen im Jahr. Am 3. Mai 2010 konnte bereits die 5.000 Schulklasse begrüßt werden.
Um dem dadurch entstandenen Bedarf an Unterrichtsräumen zur Vorbereitung und Nachbesprechung des Ausstellungsrundgangs zu entsprechen, erhielt die Dokumentation einen Erweiterungsbau mit moderner Medienausstattung, der am 15. Juni 2005 vom damaligen Bayerischen Staatsminister der Finanzen, Prof. Kurt Faltlhauser, eröffnet wurde. Seitdem stehen drei Seminarräume für Gruppen zur Vor- und Nachbereitung des Ausstellungsbesuches zur Verfügung. Mit den 2009 neugeschaffenen museumspädagogischen Stellen wurde erstmals ein umfassendes Bildungsangebot erstellt. Neben Standardführungen werden Führungen zu bestimmten Themen der Ausstellung (z. B. Propaganda, Der historische Ort) und Zielgruppen (Jugendliche, Bundeswehrangehörige) sowie fremdsprachige Führungen angeboten. Darüberhinaus werden nun auch Fortbildungsveranstaltungen für Lehrer und Workshops angeboten.
Seit 2003 finden die Ausstellung begleitende Veranstaltungen statt. Zweimal jährlich werden im Rahmen der "Obersalzberger Gespräche" jeweils im Frühjahr und Herbst Referenten eingeladen, zu speziellen Themen der Ausstellung einen vertiefenden Vortrag zu halten. Die bisherigen Veranstaltungen fanden großen Anklang. Kamen die Besucher zunächst aus Berchtesgaden und Umgebung, so ist inzwischen ein über die Grenzen Berchtesgadens weit hinaus reichendes Interesse zu erkennen. Ergänzend finden seit 2012 in unregelmäßiger Folge weitere Vorträge und Veranstaltungen statt.
Als Ergänzung zur Dauerausstellung werden ab der Wintersaison 2006/2007 jährlich "Winterausstellungen" gezeigt, die Themenbereiche der Dauerausstellung vertiefen. Für diesen Zweck wurde in der historischen Bunkeranlage ein Raum für Wechselausstellungen eingerichtet, der am 12. Oktober 2006 mit der 1. Winterausstellung "Wege in die Vernichtung. Die Deportation der Juden aus Mainfranken 1941 - 1943" eröffnet wurde. Es folgten Ausstellungen über das Reichserntedankfest auf dem Bückeberg bei Hameln (2007/ 2008), die "Freizeit im Faschismus" (2008/ 2009), den KZ-Kommandanten Karl Otto Koch im Winter 2009/2010 und die deutschen Bildberichterstatter im besetzten Warschau 1939 -1945 ("Im Objektiv des Feindes") 2010/2011. Mit der 5. Winteraussstellung präsentierte die Dokumentation Obersalzberg erstmals eine zweisprachige Wanderausstellung, die aus einem deutsch-polnischen Kooperations- und Forschungsprojekt entstanden ist. Erstmals wurde auch ein pädagogisches Begleitprogramm angeboten. Auch zur 6. Winterausstellung "Juni 1941 - Der tiefe Schnitt. 24 Biografien aus dem Krieg gegen die Sowjetunion", eine Ausstellung des Deutsch-Russischen Museum Berlin-Karlshorst, konnte ein Begleitprogramm mit Vorträgen, Führungen und Workshop angeboten werden.
Damit entwickelte sich die Dokumentation Obersalzberg zu einem bundesweit bedeutenden Lern- und Erinnerungsort zur Geschichte des Nationalsozialismus. Im März 2011 konnte das Institut für Zeitgeschichte, München – Berlin mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege die Tagung „Täterorte. Zum schwierigen Umgang mit Relikten der NS-Vergangenheit“ veranstalteten, um mit allen Beteiligten und Betroffenen in einem wissenschaftlich fundierten Rahmen den "richtigen" Umgang mit dem historisch belasteten Ort zu erörtern. Im Mittelpunkt stand dabei vor allem eine Frage: Wie kann das aktuelle Zwei-Säulen-Konzept, das die gleichzeitige historische Aufarbeitung der NS-Vergangenheit des Täterortes Obersalzberg in der Dokumentation und die Rückkehr zu den touristischen Wurzeln des Gebiets, die bis in das 19. Jahrhundert zurückreichen, fortgeschrieben und in ein Gesamtkonzept für die Erinnerungsarbeit am Obersalzberg eingebettet werden? Am 8. Dezember 2011 machte sich der Hochschulausschuss des Bayerischen Landtags die wichtigsten Ergebnisse der Tagung zu eigen und forderte einstimmig, den Obersalzberg „ganzheitlich als historischen Ort" wahrzunehmen und ein entsprechendes Gesamtkonzept zu entwickeln. Dazu gehöre auch eine Aufwertung der Dokumentation Obersalzberg. Bei deren geplanten Neukonzipierung solle auch der Bayerische Landtag eingebunden zu werden.
Die Website www.obersalzberg.de ist seit Ausstellungseröffnung 1999 im Netz. Nach mehreren Teilüberarbeitungen und einem formalen und technischen Relaunch im Jahr 2005 stieg die Besucherfrequenz stark an und stabilisierte sich auf hohem Niveau. Sie verzeichnet inzwischen mehr als 50 Millionen Seitenzugriffe (bzw. über 400.000 Visits jährlich). Im Zusammenhang mit der Auffrischung des Corporate Design im Zuge der Neuausgabe des Begleitbandes "Die tödliche Utopie" wurde beim zweiten Relaunch 2008 der Webauftritt auch optisch und inhaltlich völlig überarbeitet. Erstmals wurden neben Deutsch und Englisch die wichtigsten Informationen in zunächst fünf weiteren Sprachen (italienisch, französisch, niederländisch, spanisch und russisch) angeboten. 2010 wurde das Angebot um eine tschechische Version des Flyers und der Website ergänzt. Seit Januar 2011 unterhält die Dokumentation eine Facebook-Seite, auf der mehrmals wöchentlich über Bildungsangebote, Veranstaltungen und Aktivitäten der Dokumentation Obersalzberg informiert wird.
Am 21. Oktober 2009 ist der langjährige Wissenschaftliche Leiter der Dokumentation Obersalzberg, Dr. Volker Dahm, der das Konzept für die Dauerausstellung der Dokumentation erarbeitet hat, im Rahmen der 10-Jahresfeier verabschiedet worden. Zu seinem Nachfolger wurde von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Horst Möller Dr. Axel Drecoll berufen.
Jahresberichte
Die Entwicklung der Dokumentation Obersalzberg wird mit dem Pressepiegel und Pressemitteilungen sowie den archivierten Neuigkeiten dokumentiert.
Seit 2005 erscheint regelmäßig ein eigener Jahresbericht der Dokumentation Obersalzberg:









