Zweiter Regierungssitz des Dritten Reiches und Ort der Propaganda

Haus Wachenfeld

Der Obersalzberg ist ein von Wiesen und Wäldern bedeckter rund 900 bis 1000 Meter hoher Bergrücken, der sich am Ostrand des Marktes Berchtesgaden zum Kehlstein (1.834 Meter) und „Hohen Göll“ (2.522 Meter) hin erhebt. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war der Obersalzberg ein vom Fremdenverkehr geprägtes Bergbauerndorf. Ab 1923 zunächst Hitlers Feriendomizil, erwarb Adolf Hitler 10 Jahre später mit dem „Haus Wachenfeld“, das er bereits seit 1928 gemietet hatte, seinen eigenen Wohnsitz. Nach der Machtergreifung war das bescheidene Landhaus für die neuen Ansprüche zu klein, so dass Hitler das Anwesen bis 1936 zu einer repräsentativen Residenz, dem sogenannten Berghof aus- und umbauen ließ. Dies war der Startschuss für die Verwandlung des abgelegenen Bergdorfes in das sog. Führersperrgebiet mit Repräsentations- und infrastrukturellen Funktionsbauten. Neben Hitler besaßen Hermann Göring, Albert Speer und Martin Bormann eigene Häuser am Obersalzberg. Die einheimische Bevölkerung, zumeist seit Generationen hier beheimatet, wurde vertrieben.

 

Tuschzeichnung des Obersalzbergs

Damit entwickelte sich das abgelegene Bergdorf nach und nach zum „Führersperrgebiet“, einer zweiten Schaltstelle der Macht neben Berlin, wo wichtige politische Entscheidungen, auch über Krieg und Frieden und den Holocaust, geplant und getroffen wurden. Deshalb war der Obersalzberg weit mehr als nur Hitlers Feriensitz. Insgesamt verbrachte Hitler fast ein Drittel seiner Regierungszeit, also zusammengerechnet fast 4 Jahre, am Obersalzberg.

Vermerk Himmlers über seine Besprechung mit Hitler am Obersalzberg
(c) Bundesarchiv Berlin
Himmler und Reinhard Heydrich (M.) auf dem Obersalzberg

Gleichzeitig und dieser Abschottung diametral entgegenstehend, nutzte die Propaganda die grandiose Bergkulisse für medienwirksame Inszenierungen Hitlers als volksnaher Politiker, Kinder- und Naturfreund, guter Nachbar, großer Staatsmann und einsamer Visionär.

Bildband von Heinrich Hoffmann
Spielzeugmodell von Hitlers Haus
Hitler und das "deutsche Mädel" Bernile

Hitler verließ am 14. Juli 1944 den Obersalzberg für immer in Richtung Führerhauptquartier Wolfsschanze. Nachdem er am 15. Januar 1945 den Bunker der Berliner Reichskanzlei bezogen hatte, entschied er sich am 22. April 1945 für seinen endgültigen Verbleib in der Reichshauptstadt. Daraufhin ließ Bormann mit der „Operation Seraglio“einen Großteil der engsten Mitarbeiter Hitlers und wichtige Akten aus dem eingeschlossenen Berlin mit Ziel Berchtesgaden ausfliegen, Hitler befahl, alle seine persönlichen Papiere aus der Reichskanzlei, seiner Münchner Wohnung und dem Berghof am Obersalzberg zu verbrennen. Viele hochrangige Beamte, SS- und Polizeiführer, Parteifunktionäre und Offiziere der Wehrmacht flüchteten in den letzten Kriegswochen nach Berchtesgaden, darunter Hermann Göring, der Leiter der DAF Robert Ley, der Chef der Reichskanzlei Hans-Heinrich Lammers und der ehemalige Gauleiter und Herausgeber des Stürmers Julius Streicher.

Am 25. April 1945 bombardierten britische Langstreckenbomber das Gelände und zerstörten einen Großteil der Gebäude. Am 4. Mai 1945 wurde der Obersalzberg von amerikanischen und französischen Truppen besetzt.

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11.05.2016

Veranstaltung mit der Bayerischen Museumsakademie am 29. Juni 2016: Geschichtsvermittlung am Täterort. Die Neukonzeption der Dokumentation Obersalzberg in der Diskussion. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

04.05.2016

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