Vorgeschichte der Dokumentation Obersalzberg
Der Obersalzberg bei Berchtesgaden, seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein vom Fremdenverkehr geprägtes Bergdorf und seit 1923 Hitlers Feriendomizil, wurde ab 1933 nach und nach zum „Führersperrgebiet“, einer zweiten Schaltstelle der Macht neben Berlin, wo wichtige politische Entscheidungen, auch über Krieg und Frieden und den Holocaust, geplant und getroffen wurden. Die Propaganda nutzte die grandiose Bergkulisse für medienwirksame Inszenierungen Hitlers als volksnaher Politiker, Kinder- und Naturfreund, guter Nachbar, großer Staatsmann und einsamer Visionär.
Am 25. April 1945 bombardierten britische Langstreckenbomber das Gelände und zerstörten einen Großteil der Gebäude. Die Ruinen des Berghofs, der Häuser Görings und Bormanns und der SS-Kaserne wurden 1952 gesprengt. Erhalten blieben nur wenige Bauwerke, u. a. das Kehlsteinhaus und die zwischen 1943 und 1945 errichtete Bunkeranlage.
Seit 4. Mai 1945 von amerikanischen Streifkräften besetzt, wurden Teile des Obersalzbergs bereits seit 1947 als Erholungsgebiet für die US-Army genutzt und waren damit nur amerikanischen Militärangehörigen zugänglich. Lediglich ein kleiner Teil war seit 1952 für den Fremdenverkehr freigegeben.
Obwohl bereits seit Kriegsende aufgrund alliierter Rechtsakte Eigentümer des Geländes, erhielt der Freistaat Bayern erst 1996 nach dem Rückzug der Amerikaner volle Verfügungsgewalt über den Obersalzberg. In seinem Auftrag entwickelte daraufhin das Institut für Zeitgeschichte, München – Berlin das Konzept für eine Dauerausstellung am historischen Ort, die am 20. Oktober 1999 vom damaligen Bayerischen Staatsminister der Finanzen, Kurt Faltlhauser, eröffnet wurde.
Entwicklung der Dokumentation Obersalzberg
Die Dokumentation Obersalzberg hat sich seit ihrer Eröffnung zu einem Besuchermagnet des Berchtesgadener Lands entwickelt. Lag die Planungsannahme ursprünglich bei 30.000 bis 40.000 Besuchern im Jahr, so stiegen die Besucherzahlen von 100.000 im ersten vollen Betriebsjahr (2000) auf 176.619 (2007) an. Am 19. Juli 2010 konnte der 1,5 Millionste Besucher begrüßt werden. Mittelfristig kann pro Jahr mit 150.000 bis 160.000 Besuchern gerechnet werden. Insbesondere hat sich die Dokumentation zu einer vielfach genutzten Stütze der historisch-politischen Bildung an Schulen, bei Bundeswehr und Polizei und anderen Institutionen mit entsprechendem Bildungsanliegen entwickelt. Aus diesem Grund hat 2007 der Bayerische Staatsminister für Unterricht und Kultus in einem Rundschreiben an alle bayerischen Schulen den Besuch der Dokumentation Obersalzberg "mit Nachdruck" empfohlen. Bereit im September 2000 hatte der Generalsekretär der Ständigen Konferenz der Kultusminister in der Bundesrepublik Deutschland allen Schulen in Deutschland einen Besuch in der Dokumentation Obersalzberg sowie den Begleitband "Die tödliche Utopie" als Schullektüre empfohlen. Der Anteil von Schülern, Studenten und Soldaten stieg kontinuierlich von anfänglich 10 % auf jetzt 25 % der Besucher, das sind rund 500 Schulklassen bzw. Gruppen im Jahr. Am 3. Mai 2010 konnte bereits die 5.000 Schulklasse begrüßt werden.
Um dem dadurch entstandenen Bedarf an Unterrichtsräumen zur Vorbereitung und Nachbesprechung des Ausstellungsrundgangs zu entsprechen, erhielt die Dokumentation einen Erweiterungsbau mit moderner Medienausstattung, der am 15. Juni 2005 vom damaligen Bayerischen Staatsminister der Finanzen, Prof. Kurt Faltlhauser, eröffnet wurde. Seitdem stehen drei Seminarräume für Gruppen zur Vor- und Nachbereitung des Ausstellungsbesuches zur Verfügung. Mit den 2009 neugeschaffenen museumspädagogischen Stellen konnte das didaktische Angebot der Dokumentation Obersalzberg deutlich verbessert und ausgeweitet werden. Neben Standardführungen werden Führungen zu bestimmten Themen der Ausstellung (z. B. Propaganda) und Zielgruppen (Jugendliche, Bundeswehrangehörige) sowie Fremdsprachige Führungen angeboten. Die Museumspädagoginnen bieten darüber hinaus Fortbildungsveranstaltungen für Lehrer und Workshops an.
Seit 2003 finden die Ausstellung begleitende Veranstaltungen statt. Zweimal jährlich werden im Rahmen der "Obersalzberger Gespräche" jeweils im Frühjahr und Herbst Referenten eingeladen, zu speziellen Themen der Ausstellung einen vertiefenden Vortrag zu halten. Die bisherigen Veranstaltungen fanden großen Anklang. Kamen die Besucher zunächst aus Berchtesgaden und Umgebung, so ist inzwischen ein internationales Interesse zu erkennen.
Als Ergänzung zur Dauerausstellung werden ab der Wintersaison 2006/2007 jährlich "Winterausstellungen" gezeigt, die Themenbereiche der Dauerausstellung vertiefen. Für diesen Zweck wurde in der historischen Bunkeranlage ein Raum für Wechselausstellungen eingerichtet, der am 12. Oktober 2006 mit der 1. Winterausstellung "Wege in die Vernichtung. Die Deportation der Juden aus Mainfranken 1941 - 1943" eröffnet wurde. Es folgten Ausstellungen über das Reichserntedankfest auf dem Bückeberg bei Hameln (2007/ 2008), die "Freizeit im Faschismus" (2008/ 2009) und den KZ-Kommandanten Karl Otto Koch im Winter 2009/2010. Mit der 5. Winteraussstellung "'Im Objektiv des Feindes'. Die deutschen Bildberichterstatter im besetzten Warschau 1939 -1945", die von Oktober 2010 bis Mai 2011 zu sehen ist, präsentiert die Dokumentation Obersalzberg erstmals eine zweisprachige Wanderausstellung, die aus einem deutsch-polnischen Kooperations- und Forschungsprojekt entstanden ist.
Die Website www.obersalzberg.de ist seit Ausstellungseröffnung 1999 im Netz. Nach mehreren Teilüberarbeitungen und einem formalen und technischen Relaunch im Jahr 2005 stieg die Besucherfrequenz stark an und stabilisierte sich auf hohem Niveau. Sie verzeichnet inzwischen mehr als 35 Millionen Seitenzugriffe (bzw. über 100.000 Visits). Da das seit 2005 verwendete Content Management System im September 2008 abgeschaltet wurde, musste die Website auf ein neues CMS umgestellt werden. Der Wechsel wurde nicht nur mit einem grundlegenden technischen Relaunch verbunden, sondern im Zusammenhang mit der Auffrischung des Corporate Design im Zuge der Neuausgabe des Begleitbandes "Die tödliche Utopie" auch optisch und inhaltlich völlig überarbeitet. Erstmals wurden neben Deutsch und Englisch die wichtigsten Informationen in zunächst fünf weiteren Sprachen (italienisch, französisch, niederländisch, spanisch und russisch) angeboten. 2010 wurde das Angebot um eine tschechische Version des Flyers und der Website ergänzt.
Am 21. Oktober 2009 ist der langjährige Wissenschaftliche Leiter der Dokumenation Obersalzberg, Dr. Volker Dahm im Rahmen der 10-Jahresfeier verabschiedet worden. Zu seinem Nachfolger wurde von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Horst Möller Dr. Axel Drecoll berufen.
Seit 2005 erscheint regelmäßig ein eigener Jahresbericht der Dokumentation Obersalzberg:




