30.10.08

Eröffnung der 3. Winterausstellung "Freizeit im Faschismus"

 

Eröffnung der 3. Winterausstellung "Freizeit im Faschismus"

(Pressemitteilung des Instituts für Zeitgeschichte vom 30. Oktober 2008)

Das Institut für Zeitgeschichte, München - Berlin zeigt vom 5. November 2008 bis 25. Februar 2009 die internationale Ausstellung "Freizeit im Faschismus – Freizeitpolitik im nationalsozialistischen Deutschland und im faschistischen Italien" als 3. Winterausstellung der Dokumentation Obersalzberg. Sie wird am 4. November um 19:30 Uhr in der Dokumentation Obersalzberg eröffnet. Zur Einführung spricht der Leiter des Dokumentationszentrums Prora, Dr. Jürgen Rostock.

Seit dem Winter 2006/2007 besteht mit einem neuen Ausstellungsraum im Bunker die Möglichkeit, einzelne Themen und Aspekte der Dokumentation Obersalzberg in Sonderausstellungen zu vertiefen. Nach den Ausstellungen über die Deportation der Würzburger Juden und das Reichserntedankfest auf dem Bückeberg bei Hameln thematisiert die 3. Winterausstellung die staatliche Freizeitpolitik im national-sozialistischen Deutschland einschließlich der besetzten Gebiete am Beispiel Tschechiens sowie im faschistischen Italien. Mit der Gegenüberstellung der faschistischen Freizeitpolitik in Deutschland und Italien vergleicht die Ausstellung die Methoden und Mechanismen, die beide Diktaturen in diesem Bereich anwandten. Beide Regime versuchten die Grenze zwischen Privatem und Öffentlichem so radikal neu zu ziehen, dass die Privatsphäre fast völlig verschwand. Dazu gehörte die möglichst totale Kontrolle und Rationalisierung der individuellen Freizeit- und Urlaubsgestaltung. Daneben sollte die "faschistische Lebensart" transportiert werden, die Zustimmung der Bevölkerung zum jeweiligen Regime gesichert und die demokratischen Freizeitorganisationen, die Anfang des 20. Jahrhunderts vor allem in der Arbeiterbewegung entstanden waren, zerstört werden.

Die Präsentation will dazu beitragen, den "schönen Schein", der von den Zeitgenossen in besonderem Maße auf den Freizeitbereich projiziert wurde, zu zerstören. Denn auch heute noch betrachten viele Menschen die Freizeitpolitik als "positive Seite" des Faschismus.

Europäische Rechtsradikale und Neofaschisten werben mit diesen "Leistungen" für ihre Politik. Die Ausstellung zeigt die nationalsozialistische und faschistische Freizeitpolitik im Rahmen der faschistischen Propagandapolitik, der Kriegsvorbereitung und der Bekämpfung der politischen Gegner.

Die Dokumentation Obersalzberg ist die fünfte Station der von der Stiftung NEUE KULTUR, Dokumentationszentrum Prora, in Kooperation mit dem Institut für Geschichte der Universität Turin, Italien, und Communicatio Humana Exhibitions, Prag, Tschechien, erstellten Ausstellung. Sie wurde bereits in der Akademie der Wissenschaften in Prag, im Istituto Italiano di Studi Germanici in Rom sowie in Olmütz und Berlin gezeigt.

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